Fondo Crocefisso

Zitronenhaus "Fondo Crocefisso"

Spaziergang zum "Fondo Crocefisso"

Olivenernte

Schließung des Zitronenhauses

Schließung des Zitronenhauses in Time-lapse

„Von allen externen Formen ist die Vegetation diejenige, die einem Land den Grundcharakter gibt, sie ist immer im Einklang mit einer plastischen Struktur, mit dem Himmel, der sie abdeckt, mit der Atmosphäre, die sie umgibt (…). Das sind Olivenbäume, Zedern, Zitronenbäume und Lorbeerbäume, die der schönste Teil des Gebiets des Gardasees sind, sie (…) geben den ewigen Kranz, der keinen Winter kennt (…); aber wie viel Reichtum und Vielfalt anderer Pflanzen findet man darunter!” („Benaco” Giuseppe Solitro, 1897).

 

 

Dieses poetische Bild, das uns Solitro schenkt, beschreibt auch Fondo Crocefisso sehr gut. Es ist der Familiensitz, in dem das traditionelle landwirtschaftliche Ökosystem von Gargnano und dem Alto Garda wieder lebendig wird und besteht vor allem aus der Verbindung von Zitrus-, Wein- und Olivenanbau. Eingebettet in eine Umgebung, die „fast tropisch “ist (…) die auch den Profanen und den gleichgültigen zur Bewunderung zwingt” (Solitro, 1897). Im Garten, umgeben von Olivenbäumen, gedeihen in der Tat Palmen, Agaven, Aloe, Zedern, Lorbeer, Zypressen und in den Trockenmauern sprießen dicke Polster von Kapernpflanzen.

Es handelt sich um einen Traum, der von den jüngeren Mitgliedern der Familie Arosio stammt, insbesondere von Andrea, und der nach Jahren der Forschung zur lokalen Geschichte der Landwirtschaft und einer sorgfältigen Wiederherstellung des handwerklichen und manuellen Könnens durch die Erfahrung der ältesten Personen im Dorf Wirklichkeit wurde.

Die erste anspruchsvolle und faszinierende Arbeit war die Wiederherstellung der alten Orangerie, die seit Jahren als Gartenterrasse genutzt wurde. Der Zauber dieses Projekts lag darin, dass viele verschiedene Kenntnisse beteiligt waren, jedoch alle für ein Ziel: Erhaltung und Schutz des Zitronenbaums und anderer Zitrusfrüchte. Wissen, das früher nicht auf verschiedene Spezialisten aufgeteilt wurde, sondern in der Person des Bauers zusammenfiel, dem die Orangerie anvertraut war. Auch heute ist es, wie damals, notwendig, den Anbau von Zitrusfrüchten mit Leidenschaft zu lernen, eingehend und selbständig, aber sich auch um die Wiederherstellung der Wände und die Bewässerung zu kümmern - eine lange, anstrengende, aber sehr befriedigende Arbeit. Ein Einsatz, der zu jeder Jahreszeit viel Energie benötigt.

Die Orangerie ist in der Tat ein richtiges Haus, das rund um die Zitrusbäume gebaut wurde. Bestehend aus einem festen Bau aus Mauerwerk, der als Skelett für eine mobile Struktur aus Holz dient, die vor jedem Winter an den Stützwänden montiert wurde, um die Pflanzen vor der Kälte zu schützen. Die Lage ist auf den See ausgerichtet, nach Südost, damit die Pflanzen so viel Licht und Sonne wie möglich erhalten.

Aber die Orangerie ist nicht nur eine architektonische Struktur, in der Zitrusfrüchte wachsen, sie ist viel mehr. Es handelt sich um eine immer lebendige Struktur, mit einer eigenen Atmosphäre, die sich in jeder Struktur unterscheidet. Es ist eine Mischung aus Düften, Gerüchen, Klängen, und Farben: Der Duft von Zitronen, Orangen, Limetten und Mandarinen. Der Geruch der gerade umgegrabenen, gedüngten oder unter der Augustsonne fast trockenen und knackenden Erde. Das leise Plätschern des Wassers, das aus der Zisterne in die Kanäle läuft, um die Pflanzen zu bewässern, die Vögel, die in den Zweigen Unterschlupf finden, der Wind, der die grünen fleischigen Blätter der Pflanzen bewegt, die verputzten Steinsäulen, die nach oben steigen und sich mit tausenden von Farben mischen: das Gelb und Orange der Früchte, das Blau des Himmels und des Sees, das Grün der Blätter, das Grau-Weiß-Rosa der Steine.

Dann kommt der Winter und mit der Holzabdeckung macht sich in der Orangerie eine religiöse Stille breit, ein Ort der Sammlung, fast wie eine Kathedrale. Jetzt riecht sie nach trockenem oder nassem Holz und Harz, aber noch spürt man beim Eintreten den Duft der Zitrusfrüchte, das Wasser, das durch die Kanäle fließt, die plötzlichen Geräusche des Holzes, das sich setzt, den Regen, der auf die Dachbretter prasselt, das Spiel von Licht und Schatten, das vom Wechsel von Glas und Holzbrettern (Mesili) schafft.

Das Leben in der Orangerie in Fondo Crocefisso richtet sich nach dem Sonnenjahr und passt perfekt zu den anderen beiden Anbausorten: Reben und Olivenbäume. Wie üblich beginnt der Weinberg an den Wänden der Orangerie, um den Platz und die vertikalen Wände bestmöglich auszunutzen. Dann geht er weiter über das Haus, auf drei Terrassen, die zu einer anderen alten Orangerie gehören. Im Spätsommer beginnt die Atmosphäre in Fondo Crocefisso sich für die anstehende Ernte zu beleben. Der Tisch zwischen Weinberg und Orangerie, im Schatten der Olivenbäume, vereint nach der Weinlese die Familie und Freunde, während die Kinder auf der Wiese zwischen Haus und Orangerie spielen.
Nun ruhen sich die Reben aus, bis sie alle Blätter verlieren, und man denkt an den Wein in den Fässern, die niemals vergessen werden dürfen. 

Gleich danach muss man sich um die Olivenbäume kümmern. Zwischen Ende Oktober und Anfang November sind die Wiesen von Fondo Crocefisso voll von grünen Tüchern und Stufen für die Olivenernte. Kälte und Feuchtigkeit dringt bis in die Knochen und nimmt dieser mühsamen und stilleren Arbeit etwas von ihrer Freude. Das Jahr endet mit dem Abdecken der Orangerie, das bis zum 25. November abgeschlossen sein muss. Nach der Tradition soll dies am Tag der Heiligen Katharina erfolgen. Dann füllt man alle Risse zischen den Holzbrettern und den Säulen mit Stroh (Pàbol), um die Pflanzen noch besser vor der Kälte zu schützen. Das Schließen der Orangerie verleiht Fondo Crocefisso ein anderes, aber nicht weniger faszinierendes Gesicht. Gleiches gilt für das gesamte Westufer des Alto Garda: „In Richtung Mittag ist die Vorderseite jeder Etage mit Fenstern verschlossen, damit in jeder Etage vom ersten bis zum letzten Sonnenstrahl Funken und Blitze aus vielfarbigem Licht lebendig werden, gelb, violett, rötlich-lila, lila, das vibriert und das Auge des fernen Betrachters blendet.” (Solitro, 1897). Und aus der Orangerie wird so ein Gewächshaus. 

Das Leben der Bauern, in diesem Fall das des leidenschaftlichen Andrea, kennt keine Ruhe. Nachdem er sich um die Orangerie gekümmert hat, die auch jetzt immer noch täglich Aufmerksamkeit erfordert, beispielsweise durch die Fensterläden (Ossére), die an den wärmsten und sonnigsten Tagen geöffnet und am Abend wieder geschlossen werden, muss er seine Aufmerksamkeit jetzt auf den Weinberg richten und sich um den Rebschnitt und die winterliche Düngung aller Pflanzen am Standort kümmern. Mit den ersten warmen Tagen des neuen Jahres beginnt der Arbeitszyklus von neuem: das Beschneiden der Olivenbäume, das Öffnen der Orangerie und die Aufmerksamkeit, die diese zarten Kulturen erfordern.

Dieses Erbe, an den Boden gebunden, an die stille Arbeit des Menschen, geprägt vom Rhythmus der Natur, ist ein Fenster in die Vergangenheit, das eine tiefe Verbindung zu den wichtigen und grundlegenden Werten eines gesunden Lebens schafft. Diese tatsächliche Erfahrung wird von den Mitgliedern der Familie Arosio mit ihren Gästen geteilt, durch die Schlichtheit des Schauspiels, das Natur und menschliche Mühen in jedem Moment bieten.